Schweighofer Prize 2018
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Preisträger 2009

HAUPTPREIS

Prof. Dr. Gerd Wegener

Prof. Dr. Gerd Wegener

Prof. Dr. Gerd Wegener

Der Gewinner des Hauptpreises 2009 ist Prof. Dr. Gerd Wegener, Professor für Holztechnologie an der TU München. Er ist eine anerkannte Größe in der Forst- und Holzbranche – sowohl in der Scientific Community als auch in der Industrie. Seine unerschöpfliches Wissen über den Rohstoff und die Technologie des Holzes haben ihn zu einem der wenigen Universalisten in der Holzforschung gemacht – und folgt damit einem seiner großen Vorbilder, Prof. Kollmann – nach. Der ausgewiesene Experte ist darüber hinaus noch Editor zwei der angesehensten Scientific Journals in der Holzforschung – „Wood Science and Technology“ und „European Journal of Wood and Wood Products“. Sein Forschergeist hat in zahlreichen neuen Technologien und Produkten gemündet. Speziell als Lehrender und als Vortragender ist er einer der talentiertesten und engagiertesten Botschafter für die vermehrte und intelligente Nutzung des Roh- und Werkstoffes Holz.

Prof. Wegener hat Generationen von Studierenden und Managern zu innovativen Leistungen inspiriert. Diese außergewöhnliche Leistung und die eindrucksvolle Karriere haben es der Jury leicht gemacht, sich für Prof. Wegener als Hauptpreisträger zu entscheiden.

Innovationspreisträger – 6 Projekte

ADAPT – Strategien für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung im Klimawandel

von links nach rechts:  Norbert Putzgruber, Alexandra Wieshaider, Werner Rammer,...

von links nach rechts:
Norbert Putzgruber, Alexandra Wieshaider, Werner Rammer, Manfred Lexer

Eine Gruppe aus Wissenschaftlern des Instituts für Waldbau an der BOKU Wien und der Österreichischen Bundesforste AG haben ein Planungsinstrument entwickelt, das es unter anderem ermöglicht, schon jetzt Voraussagen zu treffen, wie sich Bäume und verschiedene Baumarten in bestimmten Regionen entwickeln werden, wenn man die Klimaveränderung in deren Simulation mit einbezieht. Man kann deutlich sehen, dass bestimmte Baumarten mit dem Klimawandel in einigen Regionen nicht zurechtkommen werden - der Fichte etwa wird es in gewissen Höhenstufen einfach zu warm und zu trocken. Trockenstress, sinkende Vitalität, Käferbefall und Sturmanfälligkeit sind die Folgen, die eine nachhaltige Waldbewirtschaftung ernsthaft in Gefahr bringen. Diese Entwicklung muss man jetzt schon in der aktuellen waldbauliche Planung bedenken. Durch Simulationen kann man ganz genau herausfinden, wo und wann man bereits steuernd eingreifen muss. ADAPT hilft dabei, Strategien zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung im täglichen Management von großen Forstbetrieben umzusetzen. Das ist ein sehr zukunftsorientierter Beitrag zum Erhalt der wichtigen Funktionen der Europäischen Wälder. Das Modell wird bereits praktische eingesetzt und soll in naher Zukunft schon in weiteren großen Forstbetrieben übernommen werden, sogar in Kanada.

Präsentationsfilm von Adapt [WMV, 7.4 MB]

CADIX – Frühwarnsystem vor Termiten - in Holzkonstruktionen

von links nach rechts:  Miguel-Ángel Abián Pérez, José Vicente Oliver...

von links nach rechts:
Miguel-Ángel Abián Pérez, José Vicente Oliver Villanueva

Das ausgezeichnete Projekt beschäftigt sich mit einem großen Problem der Holzwirtschaft in Südli-chen Hemisphären – Termiten. Diese Holzschädlinge und deren zerstörerische Kraft sind ein massives Hemmnis für den Holzbau in Mittelmeerländern wie Spanien oder Süd-Frankreich. Der Klimawandel wird die Verbreitung der Termiten nach Norden noch beschleunigen. Zwei Forscher aus Spanien haben ein Verfahren entwickelt, wie man einen beginnenden Befall von Termiten in Holz, schnell entdecken und dann entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen kann. Das Gerät funktioniert wie ein Mini-Bewegungsmelder, der in gefährdete Holzbauteile wie Balken oder Fensterrahmen eingebaut ist und über ein drahtloses Funksignal sofort einen Alarm in einer Empfangsstation auslöst. Dieses Projekt zeigt deutlich die große Bedeutung von Holzforschung in Ländern, wo die Verwendung von Holz noch nicht so verbreitet ist .Diese Innovation trägt dazu bei, die Verwendung von Holz in wärmeren Klimazonen Europas zu fördern.

Präsentationsfilm von Cadix [WMV, 4.2 MB]

TimberTower – Holztürme für Groß-Windkraftanlagen

von links nach rechts:  Gregor Prass, Sandro Mainusch

von links nach rechts:
Gregor Prass, Sandro Mainusch

Das Gewinnerteam aus Deutschland, das erst vor etwas mehr als einem halben Jahr eine eigene Firma gegründet hat, hat die Jury durch ihre revolutionäre Entwicklung überzeugt. Der Entwurf und die statische Konstruktion von Holztürmen für Windkraftanlagen im Multimegawattbereich ist eine herausragende Ingenieursleistung. Die Türme sind so konzipiert, dass sie in einzelnen Modulen zur Baustelle transportiert und erst dort zusammengebaut werden können. Das ist ein großer Vorteil gegenüber Türmen aus Stahl und Beton, die in einem Stück transportiert werden müssen, was eine logistische Herausforderung darstellt und immense Kosten verursacht. Die Holzkonstruktion von einer Wandstärke bis zu einem Meter ist aus Brettsperrholz aufgebaut (einer Entwicklung, die bereits 2005 mit dem Schweighofer Prize ausgezeichnet wurde!). Um die Türme vor den Witterungseinflüssen zu schützen, wurde für die eine Membran entwickelt, welche die Türme vollständig umhüllt. Dieses Projekt, das bereits im Herbst 2009 zu ersten Mal im Raum Hannover in die Praxis umgesetzt wird, ist eine perfekte Kombination von Verwendung eines nachwachsenden Rohstoffes für die nachhaltige Nutzung von erneuerbarer Windenergie.

Präsentationsfilm von TimberTower [WMV, 3.0 MB]

Durchfärbung von Holz mit superkritischem CO2

von links nach rechts:  Christian Hansmann, Ulrich Müller

von links nach rechts:
Christian Hansmann, Ulrich Müller

Dieses ausgezeichnete Projekt ist noch in einer frühen Umsetzungsphase, birgt aber ein enormes Potential für die Fußboden- und Möbelindustrie. Es nimmt sich der Problematik an, dass Holzarten aus Europa nur ein beschränktes Farbspektrum haben, das für die moderne Innenraumgestaltung nicht ausreichend ist. Die Verwendung von intensiv gefärbten Tropenhölzern ist keineswegs eine adäquate Alternative. Eine oberflächliche Farbbehandlung (Streichen, Beizen) ist keine langfristige Lösung ist, da Reparaturen oder ein Abschleifen nach Beschädigungen auch die Farbe zerstören würden. Wenn man Holz durchgehend einfärben möchte, braucht man Stoffe, die die Farbpigmente tief ins Holz transportieren. Wasser und Lösungsmittel können diese Aufgabe erfüllen, beeinträchtigen aber die Dimensionsstabilität von Holz und hinterlassen möglicherweise ungesunde Rückstände.
Mit superkritischen Fluiden, also Stoffen, die in einem bestimmten Druck- und Temperaturbereich gasförmig bleiben, auch wenn man sie immer weiter verdichtet, kann man dieses Problem lösen. Superkritisches CO2 ist ungiftig, reagiert nicht mit anderen Stoffen, verbreitet sich schnell wie ein Gas und hat die Dichte einer Flüssigkeit, ist also das ideale Transportmittel für Pigmente. Holz kann umweltfreundlich durchgehend eingefärbt werden, ohne von einer Flüssigkeit benetzt zu werden, das ist wirklich innovativ.

Durchfärbung-Film [WMV, 4.8 MB]

Leichtbau - Sandwichplatten aus Holz und Holzwerkstoffen

von links nach rechts:  Michael Schäpers, Markus Wolf, Dirk Specht, Ulli...

von links nach rechts:
Michael Schäpers, Markus Wolf, Dirk Specht, Ulli Garbert, Heinrich Köster

Der Ruf nach Gestaltungs- und Bauelementen, die ein geringes Gewicht, eine hohe Stabilität und auch noch einen hohen Gehalt an Naturfasern aufweisen sollen (wegen der geforderten Recyclingfähigkeit), werden immer lauter. Nicht zuletzt wegen der Transport- bzw. Treibstoffkosten. Die hier prämierte Leichtbau-Sandwichplatte erfüllt alle Kriterien hervorragend. Die Innenlage besteht aus einer dreidimensional gewellten Fasermatte, die in diese Form gepresst wurde, und Decklagen, die vorab punktuell gefräst werden, um mit den Wölbungen der Innenlage einen perfekten Form- und Kraftschluss zu schaffen. So kann die Platte auch Querzugfestigkeitswerte aufweisen, die andere Holzwerkstoffe nicht erreichen. Darüber hinaus kann man diese Platte auch noch in einer gebogenen Form herstellen. Die innovativen Sandwichplatten werden schon im Fahrzeugbau eingesetzt, z.B. bei Wänden von Caravans.

Leichtbauplatten-Film [WMV, 4.7 MB]

Erzeugung von synthetischem Erdgas (Methanisierung) von Holz

von links nach rechts:  Christian Aicherning, Martin Schaub, Reinhard Koch,...

von links nach rechts:
Christian Aicherning, Martin Schaub, Reinhard Koch, Alfred Waser, Hermann Hofbauer

Einem Konsortium aus Schweizer und Österreichischen Forschern ist ein Meilenstein für die Erzeu-gung von erneuerbarer Energie gelungen. Das Verfahren der Methanisierung von Holz erlaubt die Erzeugung von synthetischem Erdgas, das einen höheren Reinheitsgrad hat als natürliches Erdgas. Es kann ohne weitere Behandlung direkt in das Erdgasnetz eingespeist werden oder in Erdgasbetriebene Fahrzeuge getankt werden. Die Methanisierung von Holz ermöglicht es, regional in waldreichen Gebieten das Gas herzustellen, das in anderen Regionen gebraucht wird – für Wärme, Strom (Gaskraftwerke) oder Treibstoffe. Die Wertschöpfung bleibt in der Region und die Transporte der Rohstoffe werden minimiert. Eine Demonstrationsanlage mit großer Kapazität ist bereits im Europäischen Zentrum für Erneuerbare Energie in Güssing /Österreich in Betrieb. Dieses ausgezeichnete Projekt ist nicht nur eine Innovation, sondern möglicherweise sogar eine Revolution für die Energiegewinnung aus Holz.

Güssing-Film [WMV, 6.0 MB]

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